Publikationen Dr. Andreas Meißner


Dissertation



Andreas Meißner

Die Bedeutung der Raumstruktur für die Habitatwahl von
Lauf- und Kurzflügelkäfern

(Coleoptera: Staphylinidae, Carabidae)
Freilandökologische und experimentelle Untersuchung einer Niedermoorzönose

Dissertationsschrift TU-Berlin 1998

Druckkostenbeitrag 18,- Euro
zuzügl. Porto u. Verpackung
(184 S. / 40 Tab. / 68 Abb. davon 25 farbig)

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 Inhalt
Die Arbeit befaßt sich mit den Präferenzen von Carabiden und Staphyliniden für spezifische Raumstrukturen sowohl im Freiland als auch im Labor in Strukturorgelversuchen. Schwerpunkt bildet dabei die Untersuchung einer Zönose eines Rispenseggenrieds. Die Strukturpräferenzen werden in Beziehung gesetzt zur Tarsenmorphologie und Klettertechnik der Käfer. Weiterhin werden Definitionen für verschiedene Hierachieebenen der Raumstruktur sowie neue Methoden für die Erfassung der Raumstrukturen im Freiland vorgestellt.

 Kurze Zusammenfassung einiger Ergebnisse

Die Raumstruktur gehört zusammen mit anderen biotischen und abiotischen Faktoren für Staphyliniden und Carabiden zu den wichtigsten Umweltparametern und hat wesentlichen Einfluß auf die Habitatwahl und kleinräumige Verteilung der Arten. Präferenzen von epigäischen Raubarthropoden (Staphylinidae, Carabidae) für bestimmte Raumstrukturen ihres Habitats können sowohl im Freiland wie im Laborversuch belegt werden. Es lassen sich Strukturgeneralisten und -spezialisten unterscheiden. Die Präferenzen für Raumstrukturen sind jeweils arttypisch.
 1. Freilanduntersuchung in der Nuthe-Nieplitz-Niederung (Brandenburg)

In einer dreijährigen Freilanduntersuchung wurden verschiedene Standorte eines Verlandungsmoores mit angrenzendem Grünland in Brandenburg (Nuthe-Nieplitz-Niederung) untersucht. Kleinräumige Unterschiede zwischen den Untersuchungsstandorten finden sich, bedingt durch wechselnde Phytozönosen, vor allem bei den Raumstrukturen. Quantitative und qualitative Aspekte der Mikrostrukturen wurden mit einer Strukturmeßröhre erfaßt. Der Mikrostrukturkomplex Carex paniculata-Bult kann in vier verschiedene Zonen (Merotope) unterteilt werden: die Blatt- und Halmschicht, die äußere Streuschicht, die innere Streuschicht sowie den Bultenkern.
Durch Fallenfänge (Bodenphotoeklektoren, Barberfallen, Mini-Barberfallen) und Bultenaustreibungen wurden zwischen April 1993 und Oktober 1995 3.594 Staphyliniden aus 152 Arten und 1.625 Carabiden aus 53 Arten gefangen. Bei den Fallenfängen ergeben sich die größten Unterschiede zwischen der arten- und individuenarmen Schlenkenregionen und der reichhaltig strukturierten, arten- und individuenreichen Bultenregion. Die Bultenregion weist eine eigenständige von allen angrenzenden Lebensräumen abgrenzbare Zönose auf. Als Charakterarten dieser Choriozönose können Schistoglossa pseudogemina und S. drusilloides und als Begleitarten Eucnecosum brachypterum, Sepedophilus marshami, S. pedicularius, Stenus bimaculatus, Tachyporus pulchellus u.a. benannt werden. Hinzu kommen die charakteristischen Arten der Halmzone wie Demetrias monostigma, Philorhizus sigma und Hygronoma dimidiata. Für einige Arten der Choriozönose der Bulten lassen sich Präferenzen für bestimmte Zonen und Strukturen der Bulten feststellen. Ein jahreszeitlicher Wechsel der Strukturpräferenzen läßt sich bei einem Teil der Arten der Bultenzönose nachweisen.

2. Strukturpräferenzen im Laborversuch

In drei Typen von Strukturorgeln (mit senkrechten, waagerechten und vernetzten Strukturelementen) wurden die Strukturpräferenzen von 10 Staphyliniden- und 3 Carabidenarten untersucht. Bei den untersuchten Arten konnten bei der Wahl der verschiedenen Dichten, Straten und Strukturelemente signifikante Unterschiede festgestellt werden. Im Einklang mit den Ergebnissen der Freilandfänge lassen sich die Käferarten je nach bevorzugter Dichte und Stratum verschiedenen Strukturpräferenztypen zuordnen:

A. Vegetationsbewohner

  • Kletternde Generalisten ohne Präferenz eines Stratums (z.B. Paederus riparius)
  • Kletternde Spezialisten höherer Straten [und größerer Dichte] (z.B. Demetrias monostigma, Philorhizus sigma)
  • Kletternde Spezialisten mittlerer Straten (z.B. Tachyporus hypnorum)

    B. Epigäische Bodenbewohner

  • Generalisten am Boden, mit Vorkommen sowohl in lückigen als auch in dichten Mikrostrukturen (St. bimaculatus)
  • Spezialisten in lückigen, strukturarmen Bereichen am Boden (z.B. Stenus lustrator, Stenus juno)
  • Spezialisten in dichten, bodennahen Straten (z.B. Atheta graminicola, Rugilus erichsoni)

    C. Endogäische Arten (z.B. Dyschirius globosus, Schistoglossa drusilloides).

  • 3. Kletterverhalten

    Die Bewegungsabläufe beim Klettern unterscheiden sich grundlegend zwischen Carabiden und Staphyliniden, aber kaum zwischen den Arten einer Familie. Hingegen zeigen Untersuchungen zur Tarsenmorphologie deutliche Unterschiede in der Tarsenbehaarung der Arten. Hafthaare als besondere morphologische Anpassungen weisen auf eine kletternde Lebensweise hin.


         List of publications

         
    Andreas Meißner 2008   

    Trinkwasser für Berlin - Konzepte für die Zukunft.
    Naturmagazin Berlin - Brandenburg - Mecklenburg-Vorpommern
    2008 (4), 48-49

    PDF-Datei zum Download (0,4 MB)


    Roland Lehmann, Klaus-Detlef Kühnel, Andreas Meißner et al. 2007   

    Natura 2000-Gebiet Grunewald, Naturschutzgebiet Teufelsfenn, Naturschutzgebiet Postfenn. in: Natürlich BERLIN! Naturschutz- und NATURA 2000-Gebiete in Berlin.
    Hg. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. 2007, S. 200-215.


    Andreas Meißner 2007    Unter Geiern
    Der Nationalpark Dadia - Ein Paradies für Greifvögel im Nordosten Griechenlands.

    Naturmagazin Berlin - Brandenburg - Mecklenburg-Vorpommern
    2007 (4), 50-53

    PDF-Datei zum Download (1 MB)

    Andreas Meißner 2004    Nicht immer Grün -
    Die Landschaftsgeschichte des Berliner Grunewaldes

    Naturmagazin Berlin - Brandenburg - Mecklenburg-Vorpommern
    2004 (5), 48-51

    PDF-Datei zum Download (1 MB)

    Andreas Meißner 2004 Unterwegs zur Landschaftsgeschichte des Grunewaldes
    In: Exkursionsführer Berlin + Brandenburg
    Hg. Roland Wieckert und Christof Ellger
    29. Deutscher Schulgeographentag
    Berlin 2004. 229-233


    Andreas Meißner & Christoph Bayer 2001 Die Rüsselkäferzönose (Col.: Curculionoidea) eines Verlandungsmoores in der Nuthe-Nieplitz-Niederung (Brandenburg)
    Entomologische Blätter 97 (1), 59-74

    Abstract
    Ecology and phenology of the weevil (Curculionoidea) community of a fen including a large sedge stand in Brandenburg (north-eastern Germany) is presented. Most of the specimens have been caught by eclectors and pitfall traps, only a few by hand collecting. The ecological preferences of the typical weevils of the fen community are shown and the degree of their affinity to specific plant societies is discussed. Especially the habitat of T. atrirostris Lohse, tussocks of the sedge Carex paniculata Jusl., has been examined. Phenology, population dynamics and spatial distribution of T. atrirostris, which is strictly depending on long lasting C. paniculata stands, are given in detail. Ecology and distribution of other characteristic and accessory species of the weevil community in this fen are described.


    Andreas Meißner 2000 Habitatpräferenzen, Kletterverhalten und Tarsenmorphologie von Demetrias monostigma Samouelle 1819 und Philorhizus sigma (Rossi)
    Angewandte Carabidologie 2/3, 59-69

    Abstract
    The ground beetles Demetrias monostigma Samouelle 1819 and Philorhizus sigma (Rossi 1790) belong to the characteristic species in stands of large sedges. At the example of a sedge fen in Brandenburg (north-eastern Germany) are the preferred habitat structures showed. Especially the spatial distribution of the species in the tussocks of Carex paniculata Jusl. is explained. Both beetles prefer the culm zone of the tussocks. The adult beetles avoid the kernel of the tussocks, which is in the case of D. monostigma the place of pupation. The field results can be verified through laboratory tests. These tests show a significant preference of the beetles for higher strata of the dense structures. D. monostigma and P. sigma prefer linear culmlike structures in the field and in the laboratory tests. For both species is the spatial structure one of the most important parameters for the choice of the habitat. Differences between the to species are found in the choice of hibernation structures. The imago hibernates in the bog (D. monostigma) or in the surrounding (P. sigma) until March. Their main activity period is April to July. Both species are agile climbers and have developed special adaptations for their climbing life habit in tarsus morphology. A perfect adaptation for the life in the culm zone of grasslands shows D. monostigma with its high number of adhesive setae at the distal side of each tarsus.


    Andreas Meißner 1998 Die Bedeutung der Raumstruktur für die Habitatwahl von Lauf- und Kurzflügelkäfern (Coleoptera: Carabidae, Staphylinidae) Freilandökologische und experimentelle Untersuchung einer Niedermoorzönose
    Dissertation TU-Berlin, 184 S.


    Andreas Meißner 1998 Ökologie und Phänologie von Schistoglossa pseudogemina Benick und Schistoglossa drusilloides Sahlberg (Col.: Staphylinidae)
    Entomologische Blätter 94 (1-2), 65-73.

    Abstract
    Ecology and phenology of Schistoglossa pseudogemina Benick und Schistoglossa drusilloides Sahlberg (Staphylinidae). The habitat of Schistoglossa pseudogemina Benick was found in the tussocks of Carex paniculata and Carex appropinquata in bogs of Brandenburg and Mecklenburg-Vorpommern. Most of the beetles were caught by eclectors, some by heat extraction of tussock material and hand collecting. The beetles hibernate in the tussocks until April. In May and June they have their main activity period with dispersal by flight. Schistoglossa drusilloides Sahlberg was observed in the same biotope, but this species with smaller eyes lives in the deeper parts of the tussocks. Characters distinguishing S. pseudogemina and S. drusilloides are pointed out and figured.


    Andreas Meißner 1997 Strukturpräferenzen von Staphyliniden und Carabiden im Laborversuch
    Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie 11, 423-428

    Abstract
    Structure preference of Staphylinidae and Carabidae (Coleoptera) in laboratory tests.Three devices for the examination of structure habitat preference among selected species of Staphylinidae and Carabidae are described. In the first device the beetles have the choice between vertical structure elements in different densities, in the second one between twisted elements in different densities and in the third one between three different types of structure elements. Results are presented for three species. Demetrias monostigma Samouelle (Carabidae), Paederus riparius (L.) and Stenus bimaculatus Gyll. (both Staphylinidae) show a different behaviour during the tests. The results are congruent with faunistic observations. It is possible to recognise generalists and specialists among the examined species with different preferences for density and height of the habitat structure.



    Andreas Meißner 1997 Überwinterungsstrategien von Kurzflügel- und Laufkäfern (Coleoptera: Staphylinidae, Carabidae) in einem Niedermoor mit Überflutung im Winter
    Arbeitsberichte Landschaftsökologie Münster 18, 115-131.

    Abstract
    Different hibernation strategies were studied at the example of Carabid and Staphylinid beetles. Catches were made by hand, heat extraction and three new methods (great litter bags, artificial trunks, artificial barks) in the Nuthe-Nieplitz-lowland (Germany - Brandenburg). Beetles living in fens with inundation in late winter and early spring must be adapted to microclimatic conditions of the winter (especially low temperatures) and the temporally high water level. In consequence, most of the Ground and Rove beetles in these ecosystems are imaginal hibernators. One part of the species remain within the fen and hibernate in their summer habitat, especially if the habitat gives shelter from submersion. Other species change within the fen between summer and winter habitats. Many of these beetles prefer the Carex paniculata tussocks for hibernation, so that the tussocks show a high density of beetles in winter. Another part of the species leave the fen to hibernate in its vicinity or within distant dry habitats. The majority of the beetles which are leaving the inundation zone hibernate at the edge of the fen. There the beetles prefer areas of dense litter on the ground in wet woods and pasture. The spatial structure is one of the most important factors for the choice of the winter habitat. No indications were found that the beetles from the fen hibernate under the bark of trees in the vicinity. Some measures that will improve the hibernation success of arthropods in the course of nature reconstruction efforts (e.g. artificial inundation) are presented.


    Jörn Hildebrandt,
    Klaus Handke &
    Andreas Meißner
    1997 Wirbellose und Überflutungen: ein Resümee
    Arbeitsberichte Landschaftsökologie Münster 18, 307-316.


    Andreas Meißner & Gabriele Janusch 1996 Untersuchung und Bewertung der Korrelation von Arthropodengesellschaften mit Makro- und Mikrostrukturen in verschiedenen Landschaftselementen
    Endbericht des Forschungsinitiativprojekt 14/8,
    Institut für Biologie, TU-Berlin,
    DB B 44/96 611, 80 S.


    Andreas Meißner 1991

    Bewertung und Typisierung von Wiesenflächen auf Grund der Erfassung räuberischer Coleopteren (Coleoptera: Staphylinidae, Carabidae)
    Wissenschaftliche Hausarbeit TU-Berlin, 127 S., unpubl.