Amphibienschutzzaun an der Havelchaussee 2009 -
Ergebnisse und Analysen


 
Organisation
und Mitwirkende


Organisation und Mitwirkende

Die Aktion wurde vom Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e.V. koordiniert. Am Aufbau und an der Betreuung des Zaunes waren die Berliner Forsten, das Naturschutzzentrum Ökowerk, das NGA Charlottenburg-Wilmersdorf und zahlreiche Ehrenamtliche beteiligt. Ohne die sehr gute und unkomplizierte Kooperation der beteiligten Bezirksämter wäre die Aktion in diesem Rahmen nicht möglich gewesen. Unter den Helfern möchten wir Siggi Kurtz, Monika Beilfuss Babette Kurtz-Kinnemann mit Cora und Tabea, Wilma Langen, Anna-Melanie Hellbig, Dr. Wolfgang Landsberg-Becher, Beate Hobom, Christian Muhs, Frau Bussewitz mit ihrer Schüler AG von der Wilma-Rudolph-Schule, Annette Bier und Manuela Gaethke mit ihren Mitarbeitern vom NGA Charlottenburg-Wilmersdorf, Gereon Bolder, den Ökowerk-Mitarbeitern Axel Lösener, Leo Sagurna, Ludwig Klein, Tim Hänisch sowie allen weiteren nicht namentlich erwähnten Personen für ihren großen Einsatz ganz besonders danken. Die Auswertung der Daten wurde von Reiner Grube übernommen.

 

Erfassungszeitraum und Lokalitäten

Erfassungszeitraum und Lokalitäten

Vom 04.03. bis 09.04.2009 wurden drei Amphibienschutzzäune an zwei Bereichen der Havelchaussee betreut. Die Ergebnisse der Hin- und Rückwanderung für die beiden Zaunabschnitte Große Steinlanke und Lindwerder werden getrennt dargestellt. Pro 25 Meter-Bahn Zaunfolie wurden zwei Fangeimer ebenerdig eingegraben. Die Eimer wurden 1x täglich in den frühen Morgenstunden auf Amphibienvorkommen kontrolliert. Die Zäune wurden nach ihrer Lage und Funktion folgendermaßen bezeichnet:

  • Steinlanke - Hinwanderung: Länge 1175 m (Standzeit: 04.03.-09.04.09)
  • Steinlanke - Rückwanderung: Länge 150 m (Standzeit: 18.03.-09.04.09)
  • Lindwerder-Hinwanderung: Länge 375 m (Standzeit: 04.03.-09.04.09)

  Fangergebnisse

Fangergebnisse

Insgesamt wurden an den drei Fangzäunen über den gesamten Zeitraum 1.298 Amphibien erfasst. Dabei konnten fünf Amphibienarten nachgewiesen werden: Erdkröte (Bufo bufo), Grasfrosch (Rana temporaria), Moorfrosch (Rana arvalis), Teichfrosch (Rana esculenta), Teichmolch (Triturus vulgaris). Die nachfolgende Tabelle zeigt die Individuenverteilung für die unterschiedlichen Arten auf die verschiedenen Fangzäune:

Tabelle 1: Individuenverteilung der fünf Amphibienarten auf die drei Fangzäune



Tabelle 2: Anzahl der nachgewiesenen Amphibien differenziert nach Alter und Geschlecht


Abb.1: Fangzahlen Erdkröte für Große Steinlanke / Lindwerder von 2001 bis 2009

  Bemerkungen
Bemerkungen

In diesem Jahr wurde die Aktion erstmals vorzeitig abgebrochen, da die Anzahl der aus den Eimern gefangenen und gefressenen Kröten die Anzahl der Lebenden überstieg und bei der insgesamt dramatisch geringen Anzahl wandernder Erdkröten der Sinn der Maßnahme fraglich wurde (siehe Abb.2). Bei dem Räuber handelt es sich vermutlich um Waschbären, die gelernt haben, die Kröten gezielt aus den Eimern zu greifen und sie dann vor dem Verzehr zu häuten. Im näheren Umfeld der Eimer sind dann die sterblichen Überreste in Form der Häute zu finden. Eine Rückwanderungsaktivität konnte überhaupt nicht festgestellt werden, obwohl zumindest an der Steinlanke ein kürzerer Zaun für ca. drei Wochen stand.

Abb.2: Verteilung Lebend- und Todfunde der Erdkröte (Große Steinlanke)

Während bei den Erdkröten ein drastischer Einbruch und das beschriebene Problem mit Räubern als sehr kritisch zu bewerten sind, verzeichnete die Population der Teichmolche im Bereich Große Steinlanke erneut einen Anstieg. Hier setzt sich ein ausgesprochen positiver Trend fort, der vor zwei Jahren begann (siehe Abb.3).


Abb.3: Fangzahlen Teichmolch für Große Steinlanke / Lindwerder von 2001 bis 2009

Der Winter zeichnete sich durch lange und starke Frostperioden mit außergewöhnlich tiefen Temperaturen aus. Inwieweit dies zu einer erhöhten Mortalität bei den überwinternden Amphibien führte, lässt sich anhand unserer Beobachtungen nicht klären.

Die Bedingungen an den Laichgewässern waren in diesem Jahr gut. Es gab durchgängig ausreichend hohe Wasserstände und kein Gewässer trocknete in dem Erfassungszeitraum aus. Extreme Trockenperioden waren nicht zu verzeichnen. Detaillierte Angaben zum Zustand der potentiellen Reproduktionsgewässer finden sich im Bericht von Christoph Bayer zur Kontrolle und Pflege der Laichgewässer (seit 2007 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung).

Aus den Beobachtungen der diesjährigen Fangaktion ergeben sich folgende Überlegungen für die kommende Laichwanderung:

  • Die Schutzmaßnahme sollte grundsätzlich fortgesetzt werden. Am besten wäre die Errichtung einer festen Leiteinrichtung mit Untertunnelung der Havelchaussee.
    Sollte dies auch in Zukunft nicht möglich sein, muss eine neue, zusätzliche Schutzvorrichtung in den Fangeimern installiert werden, um den Faktor Prädation weitgehend zu minimieren. Es gibt bereits positive Erfahrungen mit speziellen Einsätzen für die Eimer an anderen Zäunen. Es wird zurzeit nach einer passenden Vorrichtung gesucht, welche dann in 2010 installiert werden könnte.

  • Weiterhin wird versucht, den Räuber sicher zu identifizieren, um mögliche Vertreibungsmaßnahmen einleiten zu können.

  • Es wird in Betracht gezogen, einzelne Erdkröten auf eventuelle Pilzerkrankungen untersuchen zu lassen. Möglicherweise hat die Population auch aufgrund von Krankheiten stark abgenommen.

Ansprechpartner

Dipl.-Biol. Reiner Grube und Antonius Gockel-Böhner
Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin
Tel. (030) 30 000 50
Fax. (030) 30 000 515
Teufelsseechaussee 22-24
14193 Berlin
Email: grube@oekowerk.de


Amphibienschutzzaun an der Havelchaussee 2006 -
Ergebnisse und Analysen


 
Organisation
und Mitwirkende


Organisation und Mitwirkende

Die Aktion wurde vom Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e.V. von Herrn Antonius Gockel-Böhner koordiniert. Am Aufbau und an der Betreuung des Zaunes waren die Berliner Forsten, das Naturschutzzentrum Ökowerk und zahlreiche Ehrenamtliche beteiligt. Ohne die sehr gute und unkomplizierte Kooperation der beteiligten Bezirksämter wäre die Aktion in diesem Rahmen nicht möglich gewesen. Die tatkräftige Hilfe der Auszubildenden des NGA Charlottenburg-Wilmersdorf beim Zaunbau lieferte einen wesentlichen Beitrag für die erfolgreiche Schutzmaßnahme. Weitere Unterstützung kam in diesem Jahr von der Gartenbaufirma Fehmer, die im Rahmen von landschaftspflegerischen Maßnahmen im Grunewald tätig war.

Unter den Helfern möchten wir Siggi Kurtz, Wilma Langen, Monika Beilfuss, Matthias Jeske, Annette Bier, Manuela Gaethke, Peter und Jutta Tietz, Andreas Gutschalk, Christine Pilot, Marion Ernst, Angelika Spring, Babette Kurtz-Kinnemann, Anne Hellbig, Barbara Grübner, Inge Cordes, Frau Bussewitz mit ihren Schülern von der Wilma-Rudolph-Schule und allen weiteren nicht namentlich erwähnten Personen für ihren großen Einsatz ganz besonders danken. Die Auswertung der Daten wurde von Antonius Gockel-Böhner und Reiner Grube übernommen.

Erfassungszeitraum und Lokalitäten

Amphibienschutzzaun an der Havelchaussee

Erfassungszeitraum und Lokalitäten

Vom 27.03. bis 16.05.2006 wurden zwei Amphibienschutzzäune an unterschiedlichen Bereichen der Havelchaussee betrieben. Aus den Erfahrungen des Vorjahres wurde an der Steinlanke erneut ein Schutzzaun zur Erfassung der Rückwanderung gestellt. Pro 25 Meter-Bahn Zaunfolie wurden 2 Fangeimer ebenerdig eingegraben. Die Eimer wurden 1x täglich in den frühen Morgenstunden auf Amphibienvorkommen kontrolliert. Die Zäune wurden nach ihrer Lage folgendermaßen bezeichnet:

  • Steinlanke - Hinwanderung: Länge 1175 m (Standzeit: 27.03.-13.05.06)
  • Steinlanke - Rückwanderung: Länge 350 m (Standzeit: 22.04.-16.05.06)
  • Postfenn - Hinwanderung: Länge 75 m (Standzeit:27.03.-24.4.06)

Fangergebnisse

Fangergebnisse

Insgesamt wurden an allen vier Fangzäunen über den gesamten Zeitraum 1.603 Amphibien erfasst. Dabei konnten fünf Amphibienarten nachgewiesen werden: Erdkröte (Bufo bufo), Grasfrosch (Rana temporaria), Moorfrosch (Rana arvalis), Teichfrosch (Rana esculenta), Teichmolch (Triturus vulgaris). Die nachfolgende Tabelle zeigt die Individuenverteilung für die unterschiedlichen Arten auf die verschiedenen Fangzäune:

Tabelle 1: Individuenverteilung der fünf Amphibienarten auf die drei Fangzäune

Die Fangzahlen zeigten in diesem Jahr erstmalig einen massiven Einbruch. Es wurden weniger als die Hälfte der Amphibien gefangen im Vergleich mit den Daten der vorangegangenen Jahre. Eine Rückwanderung der Erdkröten hat in diesem Jahr so gut wie gar nicht statt gefunden.

Abb.1: Fangzahlen Erdkröte für Große Steinlanke / Lindwerder von 2001 bis 2006

Bemerkungen
Bemerkungen

Vermutungen, dass die Wanderung aufgrund des lang anhaltenden Winters stark abgeschwächt wurde, lassen sich durch den Vergleich mit Fangergebnissen von anderen Zäunen aus dem Raum Berlin/Brandenburg nicht bestätigen. Die Wanderung hat auch an anderen Fangzäunen etwas später als üblich begonnen (ca. 20. März), fiel aber nicht durchgängig schwächer als in den Vorjahren aus. Es bleibt also abzuwarten, ob es sich um eine für Amphibien nicht unübliche jährliche Schwankung handelt oder ob die Population durch bislang nicht bekannte Faktoren Verluste erlitten hat.

Die Bedingungen an den Laichgewässern waren in diesem Jahr deutlich günstiger als in den Vorjahren. Der Wasserstand in den Tümpeln blieb bis in den Mai hinein ausreichend hoch. Pflegemaßnahmen wie das gezielte Entfernen von Weidengehölzen und das Freihalten der Zuflüsse von der Havel in die Laichgewässer wurden dieses Jahr in größerem Umfang betrieben. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat sich auf diese Weise für eine längerfristige Sicherung und Verbesserung der Laichhabitate eingesetzt.

Wie schon in den beiden letzten Jahren gab es erneut Funde von getöteten und gehäuteten Kröten, allerdings dieses Mal in einer bedenklichen Größenordnung: Insgesamt 253 tote Kröten wurden an den Zäunen gezählt, vorwiegend nur noch die Häute und Extremitäten. Welche Beutegreifer in diesem Jahr die wandernden Kröten am Zaun abgepasst haben, konnte leider nicht beobachtet werden. Im letzten Jahr war ein Dachs für die Verluste verantwortlich, der allerdings später überfahren aufgefunden wurde. Es ist nicht auszuschließen, dass erneut Dachse oder andere Raubsäuger den Zaun als Nahrungsquelle genutzt haben. Die zahlreichen im Zaunbereich aktiven Wildschweine kommen aus unserer Sicht nicht in Frage, da sie eine gezielte Häutung nicht bewerkstelligen können. Auch Krähen lassen sich als Prädatoren ausschließen.

Ansprechpartner

Dipl.-Biol. Reiner Grube und Antonius Gockel-Böhner
Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin
Tel. (030) 30 000 50
Fax. (030) 30 000 515
Teufelsseechaussee 22-24
14193 Berlin
Email: grube@oekowerk.de